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Zöliakie

Neueste Untersuchungen ergeben, dass mittlerweile einer von 100 Menschen in Deutschland an Zöliakie erkrankt ist. Dabei zeigen nur etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten das Vollbild der Erkrankung mit den klassischen Symptomen. Der Großteil der Erkrankten, also 80 bis 90 Prozent, weist untypische oder keine Symptome auf, oftmals wissen sie nichts von ihrer Erkrankung. Der Ausbruch der Zöliakie ist in jedem Lebensjahr möglich, oftmals wird sie jedoch zwischen dem 1. und 8. Lebensjahr oder aber zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr diagnostiziert. Der Begriff Sprue wurde ebenfalls für diese Erkrankung verwendet. 

Was ist Zöliakie? 

Bei der Zöliakie, oder auch glutensensitiver Enteropathie, handelt es sich um eine immunologisch bedingte Form der Glutenunverträglichkeit. Sie beruht auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber Gluten, einem Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten enthalten ist. Da sie sich nicht nur auf den Darm beschränkt, sondern Auswirkungen auf den gesamten Körper hat, wird sie als Systemerkrankung angesehen. Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ist eine chronische, also lebenslange Erkrankung. 

Was sind die Ursachen von Zöliakie? 

Beim gesunden Menschen wird die aufgenommene Nahrung im Dünndarm in ihre Bestandteile zerlegt und von der Darmschleimhaut aufgenommen. So gelangen Nährstoffe wie Fette, Zucker, Proteine, Vitamine, Mineralien und Wasser in den Körper und werden dort weiterverarbeitet. Zu diesem Zweck ist der Darm mit einer Vielzahl an Falten und Ausstülpungen, sogenannte Zotten, ausgekleidet, die seine Oberfläche um das 300-fache und die Oberfläche zur Nährstoffaufnahme auf 100-200 Quadratmeter vergrößern. Verändern sich diese Zotten krankhaft, schrumpft die Oberfläche des Darms schnell, was zu Problemen bei der Nahrungsaufnahme und -verwertung führt. 

Begünstigend für das Auftreten einer Zöliakie hat man eine genetische Vorbelastung, einen Zusammenhang mit anderen Autoimmunerkrankungen und die Ernährung im Säuglingsalter definiert. 

Bei Zöliakie-Patienten löst die Bindung von Gluten an körpereigene Zellen eine unnötige Fremdreaktion aus, wodurch Abwehrzellen bzw. Antikörper gebildet werden. Diese greifen nicht nur das Gluten an, sondern auch die Zellen der Darmschleimhaut. Die Aufnahme von Gluten, z.B. durch den Konsum von verschiedenen Getreidesorten, führt demnach zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Die Zotten bilden sich zurück, sodass sich die Oberfläche des Dünndarms verringert und die Nährstoffaufnahme im Darm nicht mehr ausreichend für den Körper ist. Aufgrund der verschiedenen Wirkweisen der Erkrankung handelt es sich also um eine Mischform zwischen Allergie und Autoimmunkrankheit, bei der zum Einen gegen das als feindlich angesehene Gluten Antikörper gebildet werden, welche sich zum Anderen jedoch nicht nur gegen das Gluten, sondern auch gegen den eigenen Körper richten.

Welche Beschwerden können bei Zöliakie auftreten? Welche Symptome gibt es? 

Der durch Zöliakie verursachte Mangel an Nährstoffen führt zu einer Vielzahl von Symptomen und Beschwerden, die sehr variabel und bei keinem Patienten gleich sind. Abgesehen davon kann es zu vielen Krankheitszeichen kommen, die nachträglich und durch entzündliche Prozesse, die unabhängig vom Nährstoffdefizit auftreten, ausgelöst werden. Je jünger der Patient bei der Diagnose ist, desto eher treten die klassischen Symptome der Zöliakie auf. Dazu zählen Durchfall, Blähungen, Gewichtsabnahme durch eine verringerte Nährstoffaufnahme, Eisenmangel, Blutarmut, Muskelschwund und Haarausfall. Durch den Vitamin- und Kalziummangel können außerdem Gerinnungsstörungen sowie Osteoporose Symptome von Zöliakie sein. 

Nach einem längeren und unbehandelten Krankheitsverlauf kann es weiterhin zu Schlaflosigkeit, Müdigkeit und Depressionen kommen. Oftmals ist jedoch ein ungeklärter Eisenmangel das einzige Symptom der Zöliakie, oder aber Betroffene weisen Symptome auf, die nicht auf eine Darmerkrankung hinweisen, wie z.B. Zyklusstörungen bei Frauen, Migräneanfälle oder erhöhte Leberwerte mit ungeklärter Ursache.

Was ist Gluten und worin ist es enthalten? 

Die durch Gluten ausgelöste Entzündungsreaktion richtet sich gegen den Stoff Gliadin, der in Gluten enthalten ist. Daher ist Zöliakie auch eine Form der Glutenunverträglichkeit bzw. Glutenintoleranz. Als Klebereiweiß ist Gluten in einer Vielzahl von Getreidesorten enthalten, darunter Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, handelsüblicher Hafer sowie alte Weizensorten, wie Einkorn, Emmer und Kamut. Darüber hinaus wird Gluten jedoch wegen seiner günstigen Eigenschaften auch bei der Herstellung vieler prozessierter Lebensmittel, wie z.B. Fertigprodukten, eingesetzt. Betroffene müssen daher akribisch auf enthaltene Beimengungen von Gluten achten. Mittlerweile muss Gluten nach der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung als Inhaltsstoff auf Zutatenlisten angegeben werden, was Zöliakie-Patienten das Auffinden verbotener Nahrungsmittel erleichtert. Doch nicht nur in Lebensmitteln, auch in Arzneimitteln wird Weizenstärke und damit Gluten häufig als Trägersubstanz eingesetzt. 

Wie wird Zöliakie diagnostiziert? 

Da viele Betroffene kaum bis keine auffälligen Symptome zeigen und selten das Vollbild einer Zöliakie-Erkrankung vorliegt, vergehen oft einige Jahre nach Auftreten der ersten Krankheitszeichen, bis Zöliakie als Diagnose gestellt wird.

Die Grundlagen für die Diagnose einer Zöliakie in jedem Lebensalter sind die genannten klinischen Beschwerden, der Nachweis spezifischer Antikörper im Blut und die Untersuchung von Gewebeproben der Dünndarmschleimhaut, die während einer Dünndarmbiopsie entnommen werden.

Welche Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten gibt es? 

Die bisher einzige Therapiemöglichkeit für Zöliakie-Patienten ist eine glutenfreie Ernährung. Dadurch sollen die durch die Zöliakie verursachten Symptome rückgängig gemacht werden und langfristige Komplikationen können vermieden werden. Dazu müssen Betroffene lebenslang und vollständig auf den Konsum glutenhaltiger Nahrungsmittel verzichten. Eine Besserung tritt dabei bereits nach nur wenigen Wochen der Ernährungsumstellung ein. Eine der wichtigsten Grundlagen der glutenfreien Ernährung ist die Information der Betroffenen über das Vorkommen von Gluten in natürlichen sowie industriell gefertigten Lebensmitteln. Ernährungsberater können hier eine erste Anlaufstelle sein, doch auch die Führung eines Ernährungstagebuchs und die dadurch entstehende Transparenz über den Zusammenhang zwischen konsumierten Lebensmitteln und Symptomen sind nach der Diagnose hilfreich für jeden Betroffenen. Kinder benötigen an dieser Stelle natürlich besondere Hilfe und Unterstützung, doch auch für Erwachsene ist die Komplexität der glutenfreien Ernährung oft nicht einfach. Hier hilft die Beratung durch eine erfahrene Ernährungsfachkraft, um den Start in die glutenfreie Ernährung möglichst barrierefrei zu ermöglichen. 

Wir sind für Sie da

Wenn Sie herausfinden möchten, ob Sie an Zöliakie leiden oder zu diesem Thema weiterführende, ausführliche Beratung wünschen, kontaktieren Sie uns gerne über das Kontaktformular oder telefonisch unter 089 - 55 05 14 99. Das Team der Gastroenterologie im Zentrum Münchens hilft Ihnen gerne weiter.